06. Juli 2026
Verleihung Inge Deutschkron Preis 2026
Der Inge Deutschkron Preis 2026 wurde am 06. Juli 2026 um 18:30 Uhr im Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin verliehen.
Die Laudatio hielt in diesem Jahr der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner.
Die ausgezeichneten Projekte 2026
Am schlimmsten ist das Schweigen - Der neue Rattenfänger von Hameln, Schule an der Alten Feuerwache
Im Theaterprojekt übertragen wir den Rattenfänger in die Zeit des Nationalsozialismus. Die Kinder erleben, wie leicht Menschen verführt und ausgegrenzt werden – so wie es Inge Deutschkron als jüdisches Mädchen selbst ertragen musste. Durch eigenes Spiel, Fragen und Gespräche entwickeln sie Mitgefühl, spüren Ungerechtigkeit nach und lernen, warum Mut, Zusammenhalt und das Eintreten für andere heute wichtiger denn je sind.
Inspiriert von Inge Deutschkron, die der Kraft des Theaters vertraute und für eine Bühneninszenierung ihrer Lebensgeschichte nach Deutschland zurückkehrte, möchten wir Erinnerung für Kinder erfahrbar machen. Unser Ergebnis ist ein innovatives Theaterstück, das den Rattenfänger als Bild für Verführung und Ausgrenzung in der NS-Zeit neu interpretiert. Die Aufführung wird professionell gefilmt und von einer offenen, kindgerechten Gesprächsrunde begleitet, in der die Zuschauer selbst zu Fragenden und Denkenden werden.
Die Projektidee entstand im gemeinsamen Austausch zwischen dem Klassenlehrer und der 4c. Wir diskutierten darüber, wie wir altersgerecht über die Gefahren des Nationalsozialismus sprechen und möglichst viele Kinder der Schule erreichen können. Aus diesen Überlegungen entwickelte sich die Idee, den „Rattenfänger von Hameln“ als Theaterprojekt neu zu erzählen. Dabei wurden wir auch von Inge Deutschkron inspiriert, die nach vielen Jahren nach Deutschland zurückkehrte, um ein Theaterstück über ihr Leben zu begleiten. Ihre Geschichte regte uns dazu an, über Theater auf kindgerechte Weise Empathie, Mut und Erinnerung erfahrbar zu machen.
Das Denk-Stein-Projekt der Löcknitz-Grundschule, Löcknitz-Grundschule
Wir, die Klassen 6a und 6b der Löcknitz-Grundschule möchten das an unserer Schule bestehende "Denk-Stein-Projekt" fortführen und erweitern. Es ist uns wichtig, anderen bewusst zu machen, was im Holocaust passiert ist und an die Ermordeten zu denken. Dazu beschriften wir neue Steine für das Denk-Mal auf unserem Schulhof, restaurieren bestehende, recherchieren zu den Personen und digitalisieren das gesamte Projekt auf einer Homepage. Zusätzlich arbeiten wir mit Museen und Gedenkstätten zusammen, kommen mit vielen Menschen ins Gespräch und präsentieren ein Lebensmelodien-Konzert.
Höhepunkt des Projektes ist die feierliche Denk-Stein-Legung, im Rahmen der Auseinandersetzung entstehen auch: eine Plakatausstellung, eine Homepage, eine digitalisierte und nachrecherchierte Liste der bestehenden Denk-Steine sowie ein Lebensmelodien-Konzert und Aufnahmen der erarbeiteten Musikstücke.
Vor 32 Jahren entstand die Idee, an deportierte jüdische Mitbürger:innen aus dem Bayerischen Viertel, in dem unsere Schule liegt, auf besondere Weise zu erinnern. Aus dieser Idee wurde eine "Denk-Stein"-Mauer, die wir, die Klassen 6a und 6b, in diesem Jahr fortführen und erweitern wollen. Beteiligt sind die beiden 6. Klassen, ihre Lehrkräfte und außerschulische Partner. Erstmals wollen wir auch Eltern mit einbinden.
Tag der Erinnerung, Max-von-Laue-Schule
Das Projekt "Tag der Erinnerung" wird im gesamten 9. Jahrgang durchgeführt. Eine 9. Klasse bereitet Vorträge an verschiedenen Stationen in Lichterfelde-West und Dahlem vor, die mit dem Holocaust in Verbindung stehen. Die Schüler/innen positionieren sich an diesen Orten und die übrigen 9. Klassen laufen in verschiedener Reihenfolge dies Stationen ab und hören den Vorträgen zu.
Stationen sind z. B.
1. Rassen- und "Zigeuner“forschung von Robert Ritter
2. Augenforschung des Kaiser Wilhelm Instituts
3. Kirchlicher Widerstand: Martin Niemöller etc.
Der Tag beginnt mit einer Lesung zum Thema.
Audioguide durch das "Jüdische Scheunenviertel" von Berlin, Ernst-Reuter-Schule
Das Scheunenviertel gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten Berlins. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert war es ein Hotspot jüdischen Lebens. Pogrome, Verfolgung und schließlich die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zerstörten einen großen Teil dieser Kultur. Ziel des Audioguides ist es, einerseits dieses ehemalige jüdische Leben im heutigen Stadtbild erlebbar zu machen und anderseits aktuellen Formen von Antisemitismus entgegenzutreten. Es ist ein Audioguide, der eine selbstorganisierte Führung durch das jüdische Scheunenviertel ermöglicht.
Die Geschichtslehrerin Frau Sikora hat die Schule auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. Unser Leistungskurslehrer Herr Kuntze hatte mit uns im dritten Semester das Thema Nationalsozialismus und rechtsextreme Propaganda heute aus erinnerungskultureller Perspektive besprochen. In diesem Zusammenhang sind wir auch über das jüdische Leben in Berlin ins Gespräch gekommen. Zusammen mit Herrn Kuntze haben wir uns auf die Suche nach ehemaligen Orten jüdischen Lebens begeben. Dabei sind wir auf das Scheunenviertel gestoßen und haben uns mit einzelnen Orten genauer auseinandergesetzt.



