21. Juli 2025

Verleihung Inge Deutschkron Preis 2025


Erste Verleihung des Inge-Deutschkron-Preises: Drei Berliner Schulklassen ausgezeichnet

Bei der ersten Verleihung des Inge-Deutschkron-Preises werden am 21. Juli 1025 drei Berliner Schulprojekte für ihren Beitrag zur Erinnerungskultur und ihren Einsatz gegen Antisemitismusund Rechtsextremismus ausgezeichnet. Die Veranstaltung findet im Max-Liebermann-Haus statt, die Laudatio hält Petra Pau, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Der mit insgesamt 6.000 Euro dotierte Preis ist ein Projekt der Inge Deutschkron Stiftung in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand und der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, gefördert von der LOTTO-Stiftung Berlin und der Sparkasse Berlin.

Laudatorin Petra Pau hebt im Vorfeld die Bedeutung der ausgezeichneten Projekte hervor: „Sie zeigen, dass Erinnerung lebendig sein kann – nicht in Marmor gemeißelt, sondern in Podcasts, Filmen, Festen und Gesprächen. Erinnerung lebt, wenn junge Menschen sich einmischen. Und das tun Sie. Sie mischen sich ein – und das ist gut so.“ Prof. Dr. Johannes Tuchel, Vorstandsmitglied der Inge Deutschkron Stiftung und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, betont: „Es ist sehr ermutigend, dass schon der erste Wettbewerb für den Inge-Deutschkron-Preis so gute Ergebnisse gebracht hat. Inge Deutschkron würde sich über dieses Engagement sehr freuen!“. André Schmitz, Ehrenvorsitzender der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, ergänzt: „Ich freue mich sehr, diesen Preis im Gedenken an die 120. Ehrenbürgerin von Berlin, Inge Deutschkron, zu verleihen. Damit würdigen wir ihren lebenslangen Kampf gegen Antisemitismus, gegen das Aufleben rechtsradikaler Tendenzen und für eine lebendige Erinnerung an die NS-Verbrechen.“ Bei der heutigen Verleihung werden die drei folgenden Projekte ausgezeichnet:

- „Ein Fest für Käte Laserstein“, Gail S. Halvorsen Schule: 
Anlässlich des 125. Geburtstags von Dr. Käte Laserstein, die von 1954 bis 1965 Lehrerin an der heutigen Gail S. Halvorsen Schule war, setzen sich Schülerinnen der 9. und 10. Klassen kreativ mit ihrer Biografie auseinander. Dr. Laserstein wurde während der NS-Zeit aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus dem Schuldienst entlassen, überlebte im Berliner Untergrund, emigrierte 1946 nach Schweden und kehrte später nach Berlin zurück. Die Schülerinnen gestalten eine künstlerische Geburtstagsfeier für die ehemalige Lehrerin, die sowohl reale Rückblicke als auch fiktive Projektionen beinhaltet. So entsteht ein lebendiger Beitrag zur Erinnerungskultur an der Schule und darüber hinaus.

- „Inge Deutschkron: Eine Stimme gegen das Vergessen“, Inge-Deutschkron-Gymnasium:
In einem Kurzfilm setzen sich Schülerinnen mit dem Leben von Inge Deutschkron während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Sie übernehmen dabei selbst die Darstellung historischer Szenen und erzählen so die bewegende Geschichte der Berliner Jüdin, die im Untergrund überlebte und sich Zeit ihres Lebens gegen das Vergessen einsetzte. Ziel des Films ist es, insbesondere jüngere Schülerinnen – etwa an Grundschulen – für die Thematik des NS-Antisemitismus zu sensibilisieren und Empathie sowie Zivilcourage zu stärken. Das Projekt ist Teil einer intensiven Auseinandersetzung der Schulgemeinschaft mit der Biografie ihrer Namensgeberin – auch über den Unterricht hinaus, etwa durch Kunstausstellungen und Fotowettbewerbe.

- „Chug Chaluzi: unmöglicher jüdischer Widerstand im nationalsozialistischen Berlin?!“, Inge-Deutschkron-Gymnasium: 
Mit einem Podcast und einer begleitenden Ausstellung machen Schüler*innen die weitgehend unbekannte Geschichte des jüdischen Widerstandskreises Chug Chaluzi für ein junges Publikum zugänglich. Die Ausstellung ist zunächst für das schulische Umfeld geplant, soll aber perspektivisch auch als Wanderausstellung umgesetzt werden. Begleitend werden Archiv- und Recherchearbeiten durchgeführt, um historische Arbeitsweisen kennenzulernen und das Projekt wissenschaftlich zu fundieren. Ziel ist es, die kaum beleuchtete Geschichte dieser Widerstandsgruppe sichtbar zu machen und neue Impulse in der Erinnerungskultur zu setzen.

Der Inge-Deutschkron-Preis zeichnet Projekte von jungen Menschen in Berlin aus, die an das Lebenswerk von Inge Deutschkron anknüpfen und es weiterführen. 2025 standen dabei die folgenden Themen im Mittelpunkt: die Rettung von Verfolgten in der Zeit des Nationalsozialismus; die Auseinandersetzung mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Nationalsozialismus nach 1945 in Berlin; und der Umgang mit nationalsozialistischen Täter*innen nach 1945 in Ost- und West-Berlin. Der Preis wird jährlich von einer Jury der beteiligten Stiftungen vergeben. Sie legen bei der Bewertung besonderen Wert auf innovative und gut durchdachte Ansätze, die einen bedeutenden Beitrag zur Erinnerungskultur leisten und Inge Deutschkron würdigen